Januar

Das Motto des Monats lautet „vier gewinnt!“, denn genau dies war die Nachricht des Jüngsten nach seiner Prüfung. Bestanden! Nach Irrungen und Wirrungen und manchmal nicht dran glauben können, hat er die Ausbildung zum
Anlagenmechaniker– Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gestemmt. Wir platzen vor Stolz (und Erleichterung) und als Ende des Monats der Arbeitsvertrag eintrudelt, kann der Monat eigentlich nicht mehr getoppt werden.

Sehr viel mehr passiert eigentlich auch nicht. Ich habe viel im Nähzimmer zu tun, lackiere die Küchenschränke und erledige zähneklappernd frostige aber schneefreie Hunderunden. Lola wird vier (die Zeit rast!), aber das ist ihr ziemlich egal.

Februar

Weil sich der Schnee bei uns noch immer nicht blicken lässt, fahren der Gatte und ich (ohne Kind oder Hund) ein Wochenende in die Rhön. Dort gibt es genug davon und nachdem ich meine romantischen Vorstellungen von Spaziergängen durch glitzernden, unberührten Schnee unter leuchtend blauem Himmel zugunsten von Stapfen durch hüfthohe Verwehungen bei eisigem Wind unter stahlgrauem, tiefhängendem Himmel aufgegeben habe, bin ich fast schon wieder bereit für den Frühling.

Ich trenne mich von weiteren Zentimeter Haarlänge und greife wieder zum Färbetopf. Leuchtendes Rot gegen das Februargrau.

Am Ende des Monats feiern wir ein rauschendes Fest: den Geburtstag des Jüngsten zusammen mit seiner Gesellenprüfung.

Erste Frühlingsboten in Form von taumeligen Bienen brummen durch den Garten und sorgen für große Erleichterung bei uns Imkeranfängern! Das Volk hat den Winter überlebt!

März

Wir feiern unser einziges Fastnachtszugeständnis, indem wir uns als Kreppelbäcker und Frau des Kreppelbäckers verkleiden und die Freunde einladen, Unmengen von Fettgebäck (Kreppel, Berliner, Krapfen, Pfannkuchen – egal) zu verzehren. Eine liebgewonnene Tradition! Der Gegeneinladung zu Mongolischem Fondue folgen wir gerne!

Ich setze den Neujahrsvorsatz um und widme mich den Klamotten im Haus. Flicken und reparieren was zu flicken und reparieren ist, von den Sachen trennen, in die ich garantiert nie wieder hineinpassen werde und feststellen, dass die Filtertütenröcke nicht mehr zu meiner Figur (oder meinem Geschmack) passen. Hm. Ich lasse sie erstmal im Schrank hängen.

Die erste Kontrolle der Bienen zeigt: sie finden Futter und es gibt erste Brut. Alles fein!

April

Künftige Mitbewohner fordern mittelgroße Umbaumaßnahmen. Das ehemalige Spielhaus auf Stelzen wird ein Entenstall für vorerst neun Laufenten. Zähe Verhandlungen mit Tierheimmitarbeiterinnen liefen ins Leere, wir müssen alle neun Enten aufnehmen, obwohl wir denken, dass das zu viele sind. Alle oder keine, aber notfalls dürfen wir welche zurückbringen. Ich züchte mir diverse Stirnfalten bei den Gartenbesichtigungs- und „die müssen zusammenbleiben“-Terminen.

Zwischen den Ententerminen wusele ich im Garten herum. Eine Gartyparty wird es nicht geben, aber der Gemüsegarten muss entensicher werden. Und hübsch soll es außerdem aussehen, denn im Sommer ist der Garten unser Wohnzimmer.

Mai

Wir feiern unseren Hochzeitstag und zumindest ich folge der Einladung zur großartigen Rosentagsparadiesvogelfeier, der Gatte tanzt auf einer anderen Hochzeit. Vor dem rauschenden Fest lasse ich mich gleich dreimal von meinen Bienen stechen, in Hals und Gesicht und beinahe wäre ich im Hotelzimmer sitzen geblieben, statt paradiesvogelig zu feiern. Ein freundliche Apothekerin reichte aber hilfreiche Chemie an und alles wurde gut.

Wir trennen uns von fünf Enten, weil die angeblich Unzertrennlichen sich gegenseitig kahlrupften. Leicht fiel das nicht, doch die vier verbliebenen Enten blühen auf, werden annähernd zahm und bekommen endlich Namen.

Ich ziehe begeistert drei Spitzmausbabys groß und bin sehr froh, dass die innerhalb von drei Wochen erwachsen werden und meine Nächte nicht mehr vom „alle drei Stunden“-Fütterrhythmus zerrissen werden. Eine Nacht betreue ich ein Rehkitz, muss es aber wegen Zeitmangels in die Fremdbetreuung geben. Immerhin kenne ich jetzt die Niersteiner Jäger und habe Bereitschaft signalisiert, für die nächste Kitzrettung bereit zu sein.

Juni

Über ein verlängertes Wochenende hüten wir die leerstehende WG der Tochter in Gilching und wandern ein bißchen durch die Gegend. Das erfrischende Bad im Ammersee findet nicht statt, weil uns eine Mückenplage daran hindert, Kleidungsschichten abzulegen.

Daheim lebe ich im Garten. Das erste Gemüse reift, ich möchte stundenlang den albernen Laufenten zusehen und unsere Bienen brauchen Betreuung. Das Ursprungsvolk hat keine Königin mehr, das Ablegervolk, das bei der Oppenheimer Freundin im Garten steht, lässt sich mit der Nachzucht Zeit.

Der Große hat seine Ausbildung zum Chemielaborant erfolgreich abgeschlossen und weil die Chemie mehr Geld als das Handwerk hat, werden alle Azubis zu einem gigantischen Fest in den Fernsehgarten geladen. Der Gatte und ich klatschen ab: zwei Kinder fertig ausgebildet und mit Arbeitsvertrag in der Tasche. Der Große beginnt etwas ernsthafter und mit liebevoller Ermutigung unsererseits (mach JETZT!) nach einer Wohnung zu suchen.

Juli

Wir verreisen erneut, diesmal aber getrennt. Der Gatte wandert mit dem Jüngsten die erste Etappe auf dem E5, ich fahre mit der Oppenheimer Freundin zuerst nach Estebrügge, danach nach Clausthal. Wir besuchen dort gemeinsame und für mich neue Freunde (und weltbeste Gastgeber), wandern ein bißchen, laufen durch Städtchen und Städte, essen und trinken viel und gut und schaffen es, uns nicht (nur ein bißchen) zu streiten.

Nach unseren Urlauben treffen wir uns wieder gesund und voller Geschichten in der Grünen Villa. Ein bißchen Zeit habe ich noch, um Familie, Freunde, Viehzeug und Garten zu genießen, bevor ich mir die Gallenblase entfernen lasse. Nach diversen Gallenkoliken und Aufenthalten in der Notfallambulanz war das an der Zeit.

August

Für meine Begriffe heile ich viel zu langsam. Die Nähte entzünden sich ein bißchen, doch sowie die Fäden aus dem Speck sind, geht es aufwärts. Ich darf nix heben und es dauert zwei Wochen, bis ich das Gefühl habe, meine Bauchdecke hält alle Organe wieder an Ort und Stelle. Die Gallenblase ist weg, die Koliken (oder kolikartigen Schmerzen) sind noch da, der Untersuchungsmarathon geht im Januar weiter.

Fürs Erste bin ich aber wieder fit genug für viele Fahrradtouren, ganz leichte Gartenarbeiten und die offiziellen „Ausbildung geschafft!“ der jeweiligen Betriebe der Söhne.

Wir entrümpeln das Elternhaus einer Freundin indem wir das ganze Gerümpel einfach in unser Haus räumen. Neben etlichen Blechtöpfen und Schnickeldi landet auch ein altes Küchenbüffet in der Halle. Um Platz für das Büffet zu schaffen, räume ich das Nähzimmer von links nach rechts und darf endlich, als es steht, die türkisfarbene Lackrolle schwingen. Das Ergebnis ist großartig!

September

Endlich, endlich, endlich! Ein Urlaub am Meer. Wandern ist super, Berge sind schön, aber das Meer zum Draufschauen oder drin Schwimmen ist für mich unschlagbar! Zwei ganze Wochen schwelgen wir in Wärme und Salzwasser. Dazwischen gibt es sehr viel ausgezeichnetes kroatisches Essen und, damit wir uns nicht langweilen, halsbrecherische Klettertouren und Bunkererkundungen. Selbst der Sturz von der Bootsleiter, bei dem ich mir übel die Beine prelle, kann die Stimmung nicht trüben. Ich zehre noch immer von diesem Urlaub. (nächstes Jahr aber eine Hüttentour in den Alpen und wenn alles klappt: Winter in Finnland)

Wieder daheim erwarten uns die Tochter samt einiger Exkommilitonen, eine klitzekleine Geburtstagsfeier und zack! Der September ist verflogen.

Oktober

Wir kommen aus dem Feiern nicht heraus. Die Oppenheimer Freundin muss überrascht werden, der Gatte darf aber planen: zum Geburtstag eine Pastaparty. Ein voller Erfolg! Ein klitzekleines Federkuchenfest findet ebenfalls statt, mangels intakter Terrasse und merkwürdiger Aufbruchstimmung (der Große steht kurz vor dem Auszug!!), bleibt keine Kapazität für etwas Größeres.

Wir nutzen jede freie Minute draußen, essen ein Abschlussspaghettieis in Mainz, ernten das letzte Gemüse im Garten und verfallen erneut ein bißchen (sehr) dem pokémon go-Fieber. (nicht schlimm, ich bin sowieso viel draußen unterwegs)

Außerdem suchen die Tochter und ich einen Piercer auf und lassen uns die Ohren durchlöchern. Mein linkes, ihr rechtes Ohr wird jetzt am oberen Ohrmuschelrand von einem Steckerchen geziert. (hat einen fancy Namen, den ich umgehend vergaß).

November

Wir renovieren die Wohnung des Großen, was mehr Zeit und Kraft (und Geld) als erwartet kostet. Und nachdem wir dem Umzugswagen hinterher gewunken haben, machen wir in der Grünen Villa weiter. Das ehemalige Zimmer des Großen wird ein Sportzimmer, der Jüngste zieht nach oben, das Arbeitszimmer des Gatten nach unten. Alle Räume müssen gestrichen werden und nach der Wohnungsrenovierung beim Großen ist die Luft raus. Ich bin zu alt dafür. Vielleicht mittlerweile auch zu penibel und gewissenhaft, bevorzuge saubere Deckenabschlüsse und ordentliches Abkleben. Das frisst alles Zeit und Nerven und als mir obendrein mal wieder eine Zyste platzt, möchte ich den November bitte umtauschen.

Dezember

Der Dezember ist natürlich wieder der allerbeste Monat. Von Jüngsten gab es eine großartige Binzessinnenkrone, er hält tapfer die Tradition für seine Mutter hoch! Der Große und die Tochter kommen zu Besuch, sowohl an meinem Geburtstag als auch an Weihnachten, nach den Feiertagen wird das Haus dann ganz voll, denn auch die Neffen wohnen hier.

Ein Wochenende zum Feiern in der Schweiz gehört mittlerweile auch zu den Dezembertraditionen und ich möchte das keinesfalls missen!

Danke an den Hübschen für das tolle gif!

Ansonsten ist der ganze Dezember vollgepackt mit letzten Renovierungsarbeiten und Möbelrumschlepperei, doch pünktlich am 23.12, werden das neue Küchensofa und das neue Wohnzimmersofa geliefert, die letzten Farbschichten aufgetragen und das letztes Gästebett im neuen Arbeitszimmer gerichtet. Weihnachten darf kommen.
Wie immer treffen wir die Freunde am 23. beim Weihnachtsblasen, wie immer klingt der Abend alkohobelastet aus, wie immer werden wir alle ein bißchen sentimental, wie immer ist an Heilig Abend ein klitzekleiner Kater dabei.

Die Feiertage sind vollgestopft mit Essen und Menschen, in diesem Jahr kochen wir gleich dreimal für alle. Dafür wird Silvester sehr, sehr ruhig, denn alle Kindelein feiern auswärts. Der Gatte und ich werden in der Sauna garen und das große Fest im nächsten Jahr planen!

*****

Zusammengefasst: ich bin sehr viele Kilometer mit dem Hund gelaufen, manche davon auch zusammen mit dem Kater. Gesundheitlich war es nicht so super wie bestellt, gewichtsmäßig gab es krasse Schwankungen, derzeit eher nach oben :) Der Garten ist mein liebstes Zimmer, doch ich genieße es gerade sehr, weder jäten noch gießen zu müssen. Ich hatte einmal Todesangst und war ganz oft zum Platzen glücklich, habe mich was getraut viele Vorsätze umgesetzt. Mit und wegen des Gatten und der Kinder bin ich sehr glücklich, da muss sich genau nichts ändern!

Auf einer Skala von eins bis zehn war dieses Jahr eine prima acht. Nehme ich gerne wieder.

Teil XII

Erziehen leicht gemacht

20. September 2017

Sagen Sie mal, Frau Mutti, wie haben Sie das mit ihren Kindern eigentlich so gut hingekriegt? Wie haben Sie es geschafft, dass Ihre Tochter ein Faible für MINT-Fächer hat? Wie haben Sie erreicht, dass Ihre Söhne jederzeit bereitwillig mit anpacken, egal ob im Haus oder im Garten?

Sie fragen mich das öfter und eigentlich schon seit vielen Jahren erreichen mich Anfragen nach Erziehungsratschlägen. Und weil das so ist, tue ich jetzt mal so, als würde ich einen Erziehungsratgeber schreiben. Erstens tun Bloggerinnen das früher oder später und zweitens bin ich ja fertig mit der Erzieherei und kann wohlwollend aufs Ergebnis schauen. Heißt: ich weiß total gut, wie es zu laufen hat.

Würde ich wirklich einen umfassenden Erziehungsratgeber, also einen von „Null bis fertig“, schreiben, wäre dies mein erster Ratschlag: Lesen Sie keine Erziehungsratgeber. Und auch keine Bücher, in denen steht, wann Ihr Kind was können muss. Und wenn Sie es trotzdem tun, weil das muss man halt tun, weil man will ja nix falsch machen, dann lesen Sie, suchen Sie sich aus, was Ihnen gefällt und warten Sie ab, wie sich alles entwickelt. Immer bereit, dass es ganz anders sein wird.

Säuglinge sind im Grunde genommen wirklich pflegeleicht. Ich weiß nicht, wer den Satz geprägt hat, doch ich zitiere ihn gerne und häufig, weil er so wahr ist: Das Baby wird oben befüllt, unten sauber gewischt und in der Mitte warmgehalten. Wie das geht, bekommt man in der Regel von einer Hebamme oder Säuglingsschwester gezeigt. Vielleicht auch von einer erfahrenen Mutter und vermutlich ist das die Zukunft, dass sich werdende Mütter erfahrene Mütter als Beraterinnen suchen müssen, denn Hebammen werden in diesem unseren Staate rar.

Was dann passiert, entscheiden Sie. Kein Erziehungsratgeber, kein Blog, keine (selbsternannte) Beraterin kann Ihnen vorschreiben, wie „es“ geht. Wie Sie Ihr Zusammenleben gestalten, wie und ob Sie erziehen oder nicht, ob Ihr Kind Sie siezen  oder mit dem Vornamen ansprechen muss, ob sie bis zur Volljährigkeit stillen oder nicht, ob sie im Familienbett schlafen oder Ihr Kind im eigenen Bett, in der Wiege oder der Sockenschublade schläft. Sie entscheiden, ob Sie ihr Kind in mundgesponnene Biowolle hüllen oder in Plastikwindeln kacken lassen, ob sie Brei kochen, Gläschenkost füttern oder stillen, bis das Kind „Darf ich bitte auch eine Portion Farfalle al Gorgonzola haben?“ fragt.

Sie werden feststellen, dass sehr viele Menschen eigentlich alles besser wissen als Sie und manche wissen so beharrlich alles besser, dass Sie selbst ganz unsicher werden. Das Internet ist hier wirklich Fluch und Segen, denn wenn man sowieso unsicher oder gar in Sorge ist, dass etwas gerade schief läuft, wird man mit ziemlich großer Sicherheit sehr häufig rückgemeldet bekommen, dass man zwar bemüht ist, dass aber das Kind nur dann wirklich richtig glücklich ist, wenn man alles anders macht. Und zwar genau so, wie die Person, die das analysiert hat. Und obendrauf gibt es pseudowissenschaftlich belegte Texte, die halt den Erziehungs (oder Nicht-Erziehungs)-Ansatz der ratgebenden Person als einzig richtigen Weg „beweisen“.

In meinem Ratgeber stünde:

  • Fragen Sie nie im Internet nach, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Baby krank ist. Fragen Sie einen Kinderarzt/eine Kinderärztin! Die sind nicht böse, wenn Sie lieber einmal zuviel kommen, statt erst mit richtig schlimm kranken Baby, weil Sie vorher eine Diagnose aus dem Internet hatten, die in etwa so aussieht:“Das Baby der Cousine der Schwester meiner Freundin hatte auch ein Bläschen an der Lippe und da haben sie Muttermilch drauf gemacht und schon war es gesund. Muttermilch heilt nämlich ALLES!“
  • Finden Sie das, was allen Familienmitgliedern gleichermaßen gut tut. Wirklich allen. Auch Ihnen. Das kleine niedliche Baby hat viele Bedürfnisse, Sie aber auch und Sie müssen an sich denken, wenn Sie fit und glücklich bleiben wollen. (weil das jetzt sehr theoretisch ist, gebe ich Ihnen ein Beispiel aus unserem Familiennähkästchen, nicht ohne vorher ganz deutlich zu sagen: das war bei uns so, bei einem Kind und das hat genauso gepasst, damals, bei diesem einen Kind. Das Kind schlief zwischen uns im Bett, doch der Schlaf wurde immer unruhiger, die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten immer kürzer, wir Eltern schliefen nicht mehr, das Kind nicht und die Stimmung sank rapide in den Keller. Wir legten das Kind in den Stubenwagen neben unserem Bett und von da an schliefen wir alle deutlich besser.)
  • Wenn Sie ein Fallbeispiel wie das, was ich Ihnen eben gab, im Internet schildern, aus welchem Grund auch immer, werden Sie sehr viele Reaktionen in der vollen Bandbreite bekommen. Es wird „Ja, bei uns auch“-Antworten geben, aber auch „die lügt doch!“-Aussagen. Man wird Ihnen aufdröseln, das das Kind letztendlich halt einfach nur resigniert hat und so leise ob seiner Verlassenheit in sein Kissen geschluchzt hat, dass wir ignoranten Eltern das nicht hörten und man hätte uns das Kind besser wegnehmen sollen, Skandal! Deshalb: stellen Sie nur dann im Internet Fragen zum Thema Erziehung, wenn Sie ein sehr dickes Fell oder jede Menge Humor haben und im Grunde genommen ziemlich genau wissen, wie sie es machen wollen.
  • Was das „Ich weiß genau, wie es laufen soll“ anbelangt: Sie werden vermutlich feststellen, dass das, was heute passte, morgen schon wieder hinfällig ist und deswegen sage ich: Erziehung ist ein ständiger Prozess, der niemals allgemeingültig ist und den man deshalb nicht richtig oder falsch machen kann.
  • Der Umgang mit Babys ist also so lange ziemlich leicht, so lange man es sich verkneift, das eigene Baby mit anderen (Wunder)Babys zu vergleichen, die selbstverständlich sprechend, laufend und mit geregelter Darmtätigkeit geboren wurden. Und von Anfang an durchschliefen, natürlich.
  • Sollte ich eine passende Beschreibung finden, für diese erste, spannende Zeit, dann wäre das: Gelassenheit. Oder Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Echt interessant wird die Erzieherei eigentlich  im Kleinkindalter, da kann man sich mit anderen Eltern erst so richtig uneinig sein!

#12von12 im September

12. September 2017

Zwölf Bilder an jedem Zwölften eines Monats, gesammelt von Frau Kännchen.

Souverän habe ich das Kaffeetassenbild versäumt, den ersten Kaffee trank ich nämlich, bevor mich meine Twittermenschen an das heutige Datum erinnerten. Tsss.


Somit ist das erste Bild mein beinahe regelmäßiges #wanderspiegel-Bild. Der gar nicht mehr so kleine Hund sieht hier zwar sehr erwartungsvoll aus und so, als könne sie die Hunderunde gar nicht abwarten, doch tatsächlich hätte sie lieber noch ein Stündchen geschlafen. Und interessiert schaut Lola nur, weil in der Jackentasche die Leckerlitüte raschelte. Apropos Jacke: es ist zu warm für eine Fleecejacke, aber zu kühl um ohne zu gehen. Zu warm für Wanderschuhe, zu nass für Turnschuhe. Es ist kompliziert.


Beinahe jeden morgen begleitet uns der Kater ein Stück bei der Hunderunde. Spätestens an der Straße schicke ich ihn dann aber heim. Ja, er dreht dann um und geht. Wahrscheinlich nicht heim, aber immerhin von der Straße weg.


Am Wegesrand zwischen den Wingerten finden sich derzeit sehr viele dieser Gewächse. Sie sind faszinierend schön und gemein giftig. Es handelt sich um Datura = Stechapfel. Das Internet erklärt, dass  diese Pflanze halluzinogene Wirkung hat und scheinbar weiß die Niersteiner Jugend das nicht.

Im Moment laufe ich mit Lola am Liebsten durch das Gebiet, in dem die Flurbereinigung für den totalen Kahlschlag gesorgt hat. Lola flitzt über die brachliegenden Felder und kein Kaninchen, kein Reh führt sie in Versuchung, ihr Jagdgen auszuleben. (Lola ist halb Dalmatiner, halb Pointer. Das ist eine eigenwillige, nicht ganz so einfach zu handhabende Mischung. Am Nicht-Jagen arbeiten wir, mittlerweile recht erfolgreich, seit sie bei uns lebt.)


Auf dem Rückweg gingen wir am Wartturm vorbei. Kurz dahinter bietet sich dieser Blick und mir geht da immer das Herz auf. Ganz weit über den Rhein ins Hessische, bis zum Odenwald. Schön hier zu leben!

Den letzten Kilometer mussten wir etwas schneller hinter uns bringen. Zum einen begann es zu regnen, zum anderen hatte ich Dienst im Weltladen: die Schaufenster warteten auf neue Produkte!


Im Weltladen warteten die Kataloge von El Puente und Akar und darin: Weihnachtsartikel. Das ist ein klitzekleines Bißchen verrückt, im September Weihnachtsschnickeldi auszusuchen, aber die Ware muss vor dem ersten Advent auf die Verkaufsfläche. Und die Zeit rennt! Die Mumienkrippe da oben bestellen wir übrigens nicht. :)


Neu im Weltladensortiment – und ich sage: endlich! – sind die Sonnengläser. Ich will das schon seit Jahren, doch gut Ding braucht eben Zeit. Sonnengläser sind Einmachgläser in deren Deckel eine kleine Solarplatte gebaut ist. Wird der Kontaktbügel auf den Deckel geklappt, leuchtet die Lampe auf der Unterseite des Deckels, das Sonnenglas leuchtet. Eine wunderschöne, stimmungsvolle Sache und ein grandioses Projekt aus Südafrika obendrein. Fragen Sie mal im Weltladen Ihres Vertrauens nach oder schauen Sie hier: Sonnenglas


Wieder daheim kruschelte ich vor mich hin und als ich eine Pause einlegte, blieb doch noch Kraft, um Schnickeldis zu stopfen. Ich versuche jeden Tag ein paar Kleinigkeiten für den Weihnachtsmarkt zu nähen oder sticken, damit ich keinen Zeitdruck bekomme. Klappt bisher ganz gut.


Am Nachmittag kam, zur großen Freude der stets vernachlässigten Haustiere, die Tochter. Wir quatschen und lachten und als wir fertig waren, musste die Tochter das Wohnzimmer saugen, weil sie dem Hund das Fell herausgekrault hatte. ;)


Lola verliert sowieso viele Haare (das ist das Dalmatinererbe), doch derzeit arbeitet sie wohl am Winterfell. Ich sauge täglich. (und wenn der Kater demnächst mitspielt wahrscheinlich zweimal am Tag)


Die Söhne kamen heim und taten wichtige Dinge in ihren Zimmern, während ich mit der Tochter auf dem Sofa kicherte. Und als der beste Vater meiner Kinder Verspätung wegen verspäteter Züge meldete, setzen wir uns ohne ihn zum Abendessen. Es gab Reste, wild zusammengewürfelt und für jede Geschmacksrichtung etwas dabei. Doch der Kühlschrank ist jetzt leer und ich werde keine Lebemsmittel wegwerfen müssen.

Der beste Vater meiner Kinder bekam die Reste der Reste (und wurde gut satt, keine Sorge!), danach wirbelten wir durch die Küche und jetzt:


Sofa, Füße hoch, Dr.Who und Reste. Der Federweißer muss weg.

Feierabend!

Früher war alles besser!

10. September 2017

Früher sah es hier nämlich noch so aus:

manchmal auch so:

„Früher“ – das bedeutet ab 2003, denn so lange blogge ich unter diesem Namen, das „äh“ ließ ich dann irgendwann fallen, weil Twitter und Instagram es nicht mögen. Noch früher bloggte ich auch schon, doch davon gibt es nur noch Teile im Netz, ganz früher begann 2001.
War es früher wirklich besser?

Es war halt anders.

Zuerst einmal, und da bin ich wirklich stur und altmodisch, hieß es DAS Blog. DAS WebLog. (noch früher: das Internettagebuch) Mir stellen sich heute sämtliche Nackenhaare, wenn Menschen AUF ihrem Blog etwas veröffentlichen. DER Blog ist einfach falsch, aber vermutlich liegt da die Assoziation zu (Schreib)Block einfach sehr nahe und so ist das passiert. Alles ist im Wandel und ich leide unter Altersstarrsinn.

Der Webauftritt, heißt: das Design der Blogs war ein ganz anderes. Das war natürlich dem damaligen Internet und seinen Kapazitäten geschuldet, Ladezeit war ein ganz wichtiger Punkt! Bilder, Hintergründe, Grafiken fraßen an der Ladezeit und je größer sie waren, desto länger brauchte eine Seite, bis sie aufgebaut war. Dauerte das zu lange, klickte man entnervt weg. Und das war auch ein Grund, weswegen animierte gifs oder bewegte Banner verpönt waren: ewige Ladezeit und Zeit war Geld. (der andere Grund, der für mich heute noch gilt, war die Nervigkeit: wenn es flackert, blinkt, spontan losdudelt, Schneeflöckchen rieseln lässt oder Bilder, Werbung oder gar Filme aufploppen – bin ich weg.)

Wer ein Blog schreiben wollte, brauchte Webspace und ein paar Kenntnisse in HTML, vielleicht auch ein bißchen Ahnung von css. Oder man suchte sich einen Bloganbieter, mit dessen Hilfe sich das Drumherum leicht gestalten ließ. Letztlich ähnelten sich alle Blogs vom Aufbau sehr: eine schmale Linkleiste links oder rechts für die Blogroll, der Platz für den Text daneben, die Aufteilung mindestens ein Drittel/zwei Drittel. Später rückte der Text in die Mitte, die Linklisten rahmten ihn links und rechts ein. Es wurde von oben nach unten gescrollt, nach ein paar Blogartikeln (wenige, wegen der Ladezeit!) kam der Umbruch ins Archiv. Und tatsächlich schlägt mich auch hier der Altersstarsinn: Blogs, die noch heute diesen „klassischen“ Aufbau haben, lese ich am Liebsten.

Eine weitere Grundvoraussetzung für das Schreiben eines Blogs war ein gewisses Talent zum Schreiben. Es gab die großartigen Geschichtenerzähler, lustig, melancholisch, wütend, mitreissend. Es gab die, die aus dem Alltag berichteten. Und die, die über ihren Job schrieben. Und es gab die Blogs der Mütter, die waren eine Mischung aus allem. Die Blogs der Mütter, die ich damals las, sind größtenteils verschwunden. Ich ahne, warum das so ist, denn wenn die Kindelein zu groß werden, fehlen Themen oder werden tabu. Frei von der Leber weg zu schreiben ist schwer, das hemmt.

Wir schrieben früher zu den gleichen Themen wie das die unzähligen Mütter (und Väter) heute auch tun. Doch wir schrieben freier, denn Blogs waren weitestgehend unbekannt. Wir schrieben in der trügerischen Sicherheit, dass sowieso nur unsere fünfzehn Leser diese Texte lesen. Mit den Statistiktools wurde das dann ganz schnell anders :) Unsere Blogrolls ähnelten sich stark, wir waren alle gegenseitig verlinkt und vermutlich schmunzele ich deshalb immer in mich hinein, wenn sich Bloggerinnen für die Idee feiern, dass ihre Blogs zusammen ein Dorf sind. Wir Mütter schrieben (füreinander und die wenigen anderen Leser) was uns erfreute, belastete, quälte, überraschte. In langen, langen Texten, durchdachte Texte, die ein bißchen jenen Schulaufsätzen ähnelten, die jeder kennt: „Mein tollstes Urlaubserlebnis“. Einleitung, Haupteil, Schluss. Und vielleicht ein Fazit. Die Kommentarfunktion war offen und wichtig, denn es wurde viel kommentiert. Kommentare waren wichtig, denn sie waren Rückmeldungen zum Text, sei es als Tipp oder, wenn erwünscht, Rat. Manchmal ein schlichtes „Kopf hoch!“, manchmal ein „Made my day! Wie ich das kenne!!“

Vor vielen Jahren wurde ich für die Emma interviewt und gefragt: „Warum haben Sie angefangen zu bloggen?“ Ich antwortete sehr schnell, spontan und ohne einen Moment nachzudenken: „Damit ich meine Kinder nicht schlage.“ (das wurde übrigens genauso gedruckt und vermutlich sorgte das für sehr viele gerunzelte Stirnen.) Es war aber tatsächlich so: im allergrößten Stress mit den Kindern, wenn alles über mir zusammenzuschlagen schien, wenn ich mit mir und meinem Leben haderte und ich sämtliche Kinder am Liebsten an einer Autobahnraststätte ausgesetzt hätte – schrieb ich einen Blogartikel. Noch während die Tochter schreiend und trotzend vor der Apotheke lag, während der Jüngste sich im Kinderwagen bis ins Genick kackte, verpackte ich meinen Frust, meine Wut, meine Hilflosigkeit in einen Text, meistens sogar witzig. Und während sich die Sätze in meinem Kopf formten, verschwand der Frust und wenn ich abends dann endlich schrieb, war es nur noch eine weitere lustige Begebenheit für den Familiengeschichtenschatz.

So war das bei mir, so war das bei vielen anderen Bloggerinnen auch. Und wir bestätigten uns das gegenseitig als Kommentar. Liebevoll, aufmunternd. Oder auch spöttisch und ironisch, das ging auch.

Heute ist das ein bißchen anders. Jedenfalls so weit ich das beurteilen kann, denn schon alleine weil meine Kindelein nun erwachsen sind, stecke ich nicht mehr allzu tief in der Säuglings- und Kleinkindthematik. Doch davon abgesehen ist das Bloglesen mühsam. Wie oben erwähnt stehe ich auf das altmodische Design, das ohne Einblendungen und bewegte Bilder auskommt, bevorzugt auch mit hoher Lesbarkeit was sowohl Schriftart, Kontrastfarben und jaja, Arroganz voran, Grundkenntnisse von Grammatik und Rechtschreibung anbelangt. Manch hippes Blogdesign hat mich noch vor dem Lesen von vielleicht tollen Texten verjagt.

Dann sind da halt die Inhalte. Wie gesagt, ich bin aus der Thematik raus, aber immer noch interessiert was die jungen Dinger da so treiben. Und hier wird es schwierig, denn ich habe noch nicht genau ergründet, ob ich womöglich am „ich habe Erfahrung, ich weiß es einfach besser“-Syndrom erkrankt bin oder ob da wirklich ein unschöner Umgang miteinander gepflegt wird. Der Begriff „Mommy Wars“ kommt nicht von ungefähr und ich kann auch nicht behaupten, dass das ein neues Phänomen ist, denn zu meinen Forenzeiten (ab 2000) war ich auch in fiese Sachen verwickelt. Damals hieß es aber noch „Gruppendynamik und ihre Entwicklung“, das Ergebnis und die Auswirkungen waren aber identisch. (alle haben sich lieb, dann kracht es, man versöhnt sich, es kracht ganz heftig, drei Leute gehen, gründen eine neue Gruppe in der alles viel besser gemacht wird und man sich wirklich lieb hat. Und so weiter.)

Ich sage es jetzt einfach mal frei heraus und gänzlich undiplomatisch, dafür subjektiv: sehr viele Blogs kann ich nicht lesen, die sind wirklich entsetzlich. Sie sind unecht, weiß getüncht und mit „Symbolbildern“ überladen, dass es schmerzhaft ist. Die Texte fühlen sich an, als habe man verschiedene Textbausteine aus dem „Gefühle für Mütter“-Kasten geklaubt und wahllos zusammengesetzt. Oder ein Erziehungs-, gar Lebensstil wird als der Weisheit letzter Schluß so lange ge- und beschrieben, mit  Crema- oder Rise-Filtern bearbeiteten Bildern ausgeschmückt und den Textbausteinen „Bindung, Nähe, (Kinder)Glück“ verhackstückt, bis sogar ich, die ich die Brutpflege erfolgreich und ohne Verluste beendet habe, mich schlecht fühle, weil ich es anders gemacht habe. Diese Blogs sind für mich die Zeigefinger-Blogs, weil sie den immer erhoben haben. Liebevoll natürlich. Und augenzwinkernd. Haha.

Und dann diese Blogs, die eigenlich nur eine Dauerwerbesendung sind. In denen die Texte um ein zu bewerbendes Produkt herum geschrieben werden und notfalls auch an den Haaren herbeigezogen werden. Da wird verlost und verschenkt und Rabatt-Codes machen uns alle glücklich, sorgen für Traffic und der zieht das nächste Werbeangebot nach sich. Lese ich nicht. GAB es früher nicht! Das war eindeutig besser.

Es wird viel von Professionalisierung geschrieben. Man optimiert sein Blog für Suchmaschinen und besucht Seminare, wo man das alles lernt. Denn Bloggen ist ein Beruf, damit kann man Geld verdienen. Werbung ist wichtig und wenn nicht für ein Buch, dann wenigstens für Putzmittel, Cremes oder Windeln. Das ist die Entwicklung und ich mag sie nicht.  Zum Glück gibt es noch viele, viele Blogs, die ein klitzekleines Bißchen altmodisch sind und die einfach „nur“ Geschichten erzählen und am Leben teilhaben lassen, muss ich mich also gar nicht aufregen.

flügge.

6. September 2017

Schon als sie noch in Afrika war, teilte mir die Tochter mit, dass sie nach ihrer Rückkehr „abgesprungen“ bleiben möchte. Und das ist ja auch gut so, denn schließlich wird sie demnächst zwanzig Jahre alt jung und hat bereits ein Jahr ihre Leben ganz alleine sortiert bekommen. Vor allem Letzteres birgt eine Menge Konfliktmaterial, was wir in Kapstadt prompt erlebten. In Kapstadt wohnten wir eine Woche gemeinsam in einer Ferienwohnung und ich sage es mal kurz: der Stock braucht nur eine Bienenkönigin. Wir rasselten aneinander und schlichen danach sehr behutsam um einander herum. (Mittlerweile können wir beide sehr herzlich darüber lachen, doch wir merken, dass es sich schwierig gestalten würde, wenn wir uns unter einem Dach wieder zusammenraufen müssten.)

Und jetzt zieht sie halt aus. Sie hat ein entzückendes Appartment in einem Wohnheim in Dresden und braucht plötzlich nicht mehr nur Hefte, Stifte und neue Socken, sondern auch Töpfe, Pfannen und WC-Reiniger. Letztes Wochenende begleitete ich sie nach Dresden zur Wohnungsübernahme und danach zum großen Haushaltswaren- und Putzsachen-Shopping. Abends köpften wir eine Flasche Champagner zusammen und feierten die Selbständigkeit, den neuen Lebensabschnitt und ein bißchen auch uns und dass wir uns ganz gerne mögen. Immer noch.

Am Montag klapperten wir noch das schwedische Möbelhaus ab und danach einen großen Supermarkt, der einen kleinen, roten Staubsauger und einen Wasserkocher im Angebot hatte. Ich verbuche es übrigens als äußerst heldenhaft, dass ich die Tränchen wegknieperte, die mir in die Augen stiegen. „Das Mädchen hat jetzt einen eigenen Staubsauger!“ hat für Unbeteiligte sicher auch wirklich sehr wenig Rührungspotential, doch glauben Sie mir – selbst wenn dieser Zeitpunkt für Sie vielleicht noch fern sein mag – auch Sie werden irgendwann über irgendetwas sehr gerührt sein, das Unbeteiligte eher verwundert. Das ist vermutlich genauso wie die Sache mit dem ersten Paar Schuhe, dem Schulranzen und der plötzlichen Erkenntnis, dass der dunkle Schatten am Kinn des Sohnes kein Dreck sondern zaghafter Bartwuchs ist. Da kniepert man halt ein bißchen.

Am Samstag fahren die Kindelein eine Transporter voller Sachen nach Dresden. Letztlich sind es gar nicht so viele Möbel, denn das Appartment ist möbliert. Doch ein Regal, ein Sessel und der Schreibtischstuhl fehlen noch, außerdem sehr, sehr viele Bücher. Und ein kleiner, roter Staubsauger, ein Wasserkocher, ihre Klamotten und lauter Haushaltskrusch.

Die Söhne kommen noch am Abend wieder, die Tochter am Dienstag nächster Woche. Sie hat noch ein paar Termine in Nierstein (unter anderem ihren Geburtstag, den sie lieber hier feiern will, so lange sie noch niemanden in Dresden kennt) und dann zieht sie aus. Zieht sie weg. Nicht zwölf Flugstunden nach Afrika, sondern nur fünf Zugstunden weit weg. Aber weg. Sie hat dann kein Zimmer mehr hier in der Grünen Villa, nur noch ein Bett für Besuche. Sie kommt dann zwar heim, aber eben zu Besuch. Und ihr echtes Daheim ist dann in ihren eigenen vier Wänden.

Gestern sagte sie: Ich schwanke zwischen „OMG, ich ziehe aus!“ und „OMG, ich ziehe aus!“ Und das sieht jetzt hier geschrieben natürlich blöd aus, aber lesen Sie es ruhig laut und betonen sie einfach das „aus“ mal fröhlich-erwartungsvoll, mal ängstlich-unsicher und dann wird es klar. Und mir geht es genauso: OMG, sie zieht aus.

Immerhin hat sie einen kleinen, rote Staubsauger. Und alles, was wir ihr geben konnten.