Berlin und aus.

28. April 2015

Ganz kurz sah es so aus, als würde meine kleine Berlin-Auszeit dieses Jahr ausfallen. Das ist aber nicht so und jetzt freue ich mich sehr, denn Montag morgen geht es los. Bis Freitag bin ich in der großen Stadt, besuche das große Klassentreffen der Internetmenschen, die re:publica, und vielleicht treffe ich noch die eine oder andere Bloggerin. Das wird ganz wunderbar!

Weniger wunderbar ist, dass der beste Vater meiner Kinder direkt am Sonntag nach meiner Heimkehr beruflich für eine Woche in die Staaten fliegt. Ganz kurz erwog ich ihn zu begleiten, doch seine Konferenz ist in Las Vegas und nein, dort zieht es mich nicht hin. Im Strohwitwen-Sein bin ich ja nun geübt, denn auf ein großartiges, verlängertes Freundinnen-Wochenende neulich in den Niederlanden folgte wuseliger Alltag ohne den besten Vater meiner Kinder, der konferierte nämlich in Prag. (Wohin ich ihn gerne begleitet hätte, doch unsere Ankunfts- bzw. Abreisetage überschnitten sich.) Richtig schlimm sind Strohwitwentage nicht mehr, denn die Kindelein sind ja groß. Einsam sind sie allerdings und vollgepackt mit Vermissen, das reicht ja auch.

Kurz dachte ich übrigens, dass dieses Blog hier wieder eine echte Daseinsberechtigung hat und seinem Namen  alle Ehre machen wird, doch statt schwanger zu sein, bin ich eben einfach nur alt. Die Idee, einen Wechseljahrblog mit einigen anderen Frauen zu schreiben, kam vor Jahren auf der re:publica und sie scheint nun real umsetzbar zu sein. Andererseits weiß ich gar nicht so recht, was sich da so schreiben ließe, außer total witzige Artikel zum Thema “allzeit bereit, weil einen Zyklus gibt es nicht mehr” oder “Mit Fehlfunktionen ist zu rechnen.”

Und Sie spüren es vielleicht durchschwingen: Frau Mutti verabschiedet sich von diesem Blog. Es hat mich so viele Jahre begleitet, hat mir Freude gebracht und manchmal auch ein bißchen Leid. Viele Menschen habe ich kennengelernt, manche begleiten mich seit über zehn Jahren, wunderbare Freundschaften sind entstanden. 

Die blogbaren Themen verließen mich in letzter Zeit, die Lust, in aktuelle Diskussionen meiner Timeline einzusteigen, ebenso. Das Thema Kinder und Erziehung ist abgeschlossen, wir stoßen die hinreißenden Bestien aktuell nur noch aus dem Nest, sind zufrieden, durch und fertig. Rezepte, Nähanleitungen und Reiseberichte gibt es überall zu lesen, genauso wie Werbung oder verschiedenste Produkttests, um die ist es nicht schade. Bestimmt wird es mir aber ein bißchen fehlen, dass ich keinen Platz mehr für hemmungsloses Jammern haben werde, ich werde Zuspruch, Ermutigung, Ratschläge, Lob und den einen oder anderen voraussehbaren Trollkommentar vermissen. Hach ja.

Aber hey, damit das hier nicht zu sentimental wird: im Garten wird ja auch nicht nur gearbeitet, sondern gerne mal geschwätzt. Und die eine oder andere sehe ich vielleicht ja am 13.06.2015, ab 11:00 Uhr im Rosa Gartenhüttchen zum Häkeln. Schreiben Sie mir doch rasch eine Mail, damit ich weiß, ob wir noch zwei, drei weitere Hüttchen bauen müssen.

Danke und Sie wissen ja: immer die Ihre. 

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Dieses Blog bleibt noch bis Ende Mai online.

Meine Tage scheinen mir zu kurz.

Sie erinnern sich an meinen Nähmaschinenfrust? Mittlerweile steht im Nähzimmer ein neues Maschinchen, denn im Pfaffladen machte man mir ein unschlagbares Angebot. Unglücklicherweise oder glücklicherweise habe ich nun zwei große Gärten zu versorgen, so dass das Luxusmaschinchen noch gar nicht zeigen konnte, was man mit ihm anstellen kann. Das ist nicht schlimm, die nächste Regenperiode kommt bestimmt. (Was im Garten passiert, lesen Sie bitte im Gärtnerinnenblog!)

Ich hätte ziemlich gerne die Handwerkersoap weitergetwittert, doch die letzte Seite der Grünen Villa muss noch ein bißchen auf Verschönerung durch Maurer und Maler warten, genauso wie die Terrasse. Unglücklicherweise hat es nämlich der Bus nicht über den TÜV geschafft. Leider zwei Jahre zu früh. In zwei Jahren bräuchte der beste Vater meiner Kinder kein Auto mehr, um zur Arbeit zu kommen, die Firma wechselt den Standort und ist dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Statt die Renoviererei nun endlich abschließen zu können, suchen wir nach einem neuen Auto. Irgendwas ist ja immer.

Am kommenden Wochenende fahre ich mit zwei Freundinnen in die Niederlande. Ein kleiner Kurzurlaub, genau richtig für mich. Als alte Nesthockerin werde ich nämlich sehr unruhig, wenn ich länger als zehn Tage unterwegs bin. Zu groß werden dann die Sorgen um Kater und Gärten, zu groß die Sehnsucht nach eigenem Bett, Bad und Küche. Unsere Familienurlaube entbehrten deshalb irgendwann einer gewissen Entspannung. ;) Sämtliche anstehenden Gartenarbeiten für dieses Wochenende sind an mehr oder weniger willige Familienmitglieder verteilt, während ich in Holland hoffentlich den Klamottenkaufversuchungen widerstehe, denn ich hab ja diesen Vorsatz, mir ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen.

Wenn ich wieder da bin und Zeit habe, schreibe ich mal darüber, warum man als Hausfrau niemals traurig, überfordert und gestresst sein darf.

 

Für Küchenexperimente bin ich immer zu begeistern und als ich auf der Suche nach feinen Köstlichkeiten für Ostern im kleinen Kuriositätenladen auf das Rezept für Brownies im Ei stieß, rannte ich quasi umgehend in die Küche und suchte Zutaten zusammen.

Mit Eierpieker und einer Rouladennadel puhlte ich Löcher in die Luftblasenseite der Eier und knippste diese mit einer Pinzette ein bißchen größer. Steph aus dem Kuriositätenladen tut dies erst später, doch es klappte bei mir auch bei diesem Schritt ganz prima, ohne dass die Eierschale zu sehr bröselte.

Beim Leeren der Eierschalen unterstützte mich die Tochter. Mit einem Schaschlickspieß verrührte sie Eiweiß und Eigelb in der Schale und schüttelte das Gemisch energisch aus der Schale. (das Innere des Eies möchte die Schale nur sehr ungern verlassen und immer wenn man denkt, nun sei wirklich, endlich alles ausgeleert, ploppt noch ein bißchen Eigelb in die Schüssel.)

Wenn die Eierschalen glücklich geleert sind, beginnt der Reinigungsprozess. Abwaschen, ausspülen, eine halbe Stunde in Salzwasser legen, erneut ausspülen und zum Schluss noch mal mit kochendem Wasser übergießen. Und komplett durchtrocknen lassen. Dazu mit dem Loch nach unten in einen Eierkarton stellen.

Stunden später werden die leeren, klinisch reinen Eierschalen wieder befüllt. Mangels Schokolade für Brownies habe ich unseren Lieblingszitronenkuchenteig gerührt und weil ja bald Ostern ist, diesen mit Lebensmittelfarben leuchtend türkis gefärbt.

Die Tochter bastelte Eierstützförmchen aus Alufolie für die Muffinsform und ich kippte etwas Öl in jede Eierschale. Beim Verteilen des Öls empfiehlt es sich unbedingt, das Loch in der Schale zuzuhalten. (der Holzarbeitsplatte tat ein bißchen Öl aber sehr gut)

Mit dem Spritzbeutel füllte ich den Schlumpfteig in die Eierschalen.

Spritzbeutel und ich werden keine innigen Freunde. Das Befüllen ist ein elendiges Gebapps und Geklebe und es bleibt immer viel zu viel Teigrest im Beutel. Aber eine andere Befüllmöglichkeit sehe ich derzeit nicht.

Viel hilft übrigens nicht viel. Ich befüllte die Eierschalen ungefähr dreiviertelhoch und das erschien mir sehr mickrig. Doch der Extraschwapps für jedes Ei brodelte umgehend beim Backen wieder aus der Schale. Die Teigmützen auf den Eiern sehen zwar auch irgendwie lustig aus, doch die Söhne und ich naschten sie direkt nach dem Backen weg.

Nach ein bißchen Abwischen und Polieren hielt ich perfekte Eierkuchen-Kucheneier in der Hand.

Die erste Probeschälung zeigte, dass auch türkisfarbener Teig leicht bräunt …

… und dass sich Dank des Öls die Schale leicht und rückstandslos vom Eierkuchen-Kuchenei entfernen lässt. Der Geschmackstest ergab: Lieblingszitronenkuchen.

Liebe Steph, herzlichen Dank für das Vorstellen dieser wunderbaren Idee. Weitere Eierschalen sind schon vorbereitet und warten darauf, morgen befüllt zu werden. Diesmal sogar mit Brownieteig.

und übrigens:

25. März 2015

Ich bin meistens im Garten.

Freud und Leid

13. März 2015

Ein Geburtstag und ein Todesfall, Volljährigkeit und Selbstmord. 

Eine ganze Palette Leben im Haus der Freitagsfreundin. Wir feierten leise den 18. Geburtstag der Tochter und weinten laut um den Sohn, Bruder, Onkel, Neffen, Freund, der der Depression nichts mehr entgegenzusetzen hatte und den Tod wählte. Wir blätterten in dem dicken Buch, welches dem Geburtstagsmädchen zusammengestellt worden war, unzählige Bilder aus 18 Lebensjahren und lasen einen Abschiedsbrief. Wir aßen mehr Schokolade als sonst und lernten, wie eine Bestattung im Friedwald aussieht. Zum Geburtstag gab es ein Glas Sekt und später saßen wir zwischen Pizzakartons im Wohnzimmer und tranken Bier. Und wussten, dass ihm das gefallen hätte.

Irgendwann, in einer lauen Sommernacht, spazieren wir hoch zu diesem hübschen Platz im Wingert und heben die Schnapsgläser auf Dich, lieber Freund.